Kontext

Schon bei der Gründung der BIOG-Genossenschaft, aus der dann die verschiedenen OIKOPOLIS-Betriebe hervorgingen, wurden die Weichen gestellt für eine kooperative Zusammenarbeit in der gesamten Wertschöpfungskette.

Grundlage hierfür bildete vor allem die Erkenntnis, dass das heute allgemein geltende Prinzip der freien Marktwirtschaft wohl Wohlstand produziert, dieser aber sozial ungerecht verteilt wird, und zudem die natürlichen Ressourcen ausgezehrt werden. Die Landwirtschaft ist dabei besonders betroffen, zum einen, weil viele bäuerliche Betriebe in dieser immer mehr technisierten und ökonomisierten Welt nicht mithalten können und ihren Hof aufgeben oder Methoden anwenden müssen, die in der Industrie ihren Platz haben, aber nicht zum Umgang mit lebendigen Organismen wie Tieren, Pflanzen und Boden passen. Zudem sind die Landwirte und Gärtner heute im vorgelagerten Bereich abhängig von den großen Herstellern von Mineraldünger, Pflanzenschutzmittel und Kraftfutter und nachgelagert von großen Lebensmittelverarbeitungsindustrien und noch größeren Handels- und Vermarktungsstrukturen.

Jeder Beteiligte in dieser arbeitsteiligen Wertschöpfungskette sucht entsprechend der allgemein geltenden marktwirtschaftlichen Prinzipien „legitimerweise“ seine Vorteile zu realisieren, in dem dabei in der Regel die allgemeine kaufmännische Formel – „der Gewinn liegt im Einkauf“ – zur Anwendung kommt. Der dadurch entstehende Preisdruck landet dann letztlich beim Landwirt, dem keine andere Wahl mehr bleibt, als sich und die Natur auszubeuten – oder aufzugeben.

Die biologische und biologisch-dynamische Landwirtschaft bildet zumindest auf der Seite des Umgangs mit der Natur und den natürlichen Ressourcen einen Ansatz zu einer echten Alternative zu dem herkömmlichen Szenario. Werden die auf diese Weise gewonnenen Produkte in den Wirtschaftskreislauf gebracht, wird es schwieriger.

Über den Ab-Hof-Verkauf oder über die sogenannte „solidarische Landwirtschaft“ können sich eine Reihe Biobetriebe, vor allem solche, die in Stadtnähe liegen, mehr oder weniger ihre Existenz unabhängig vom allgemeinen Wirtschaftsgeschehen sichern. Andere sind darauf angewiesen, dass ihre Produkte über die verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette bis zum Konsumenten gelangen und erwarten dabei einen fairen Preis, der ihnen erlaubt, auch im kommenden Jahr wieder Produkte zu erzeugen. Da aber auch im Bio-Bereich allzu oft die herkömmlichen Marktgesetze Anwendung finden, und nicht zuletzt durch die Tatsache, dass mittlerweile der konventionelle Lebensmittelhandel bis hin zum Discounter in diesem Geschäft mitmischen, scheint der Weg vorgezeichnet, dass auch immer mehr Druck auf die Bio-Preise ausgeübt wird.

An dieser Stelle zeigt sich, dass der von den OIKOPOLIS-Betrieben eingeschlagene Weg der Kooperation der Bauern in einer Genossenschaft und die vertikale Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette, vom Landwirt oder Gärtner bis hin zum Konsumenten eine reale Win-Win Situation für alle Beteiligten bedeutet. Ein wichtiges Instrument für die konkrete Umsetzung dieser vertikalen Assoziationen sind regelmäßige Marktgespräche am runden Tisch mit allen Beteiligten oder deren Vertretern. Dieses Konzept hat auch dazu geführt, dass die heutigen Eigentümer der OIKOPOLIS-Participations SA die Wertschöpfungskette widerspiegeln.



Mit dem im Herbst 2017 entwickelten und geschützten "fair&associativ"-Siegel und der zusätzlich definierten Charta wollen wir unser Verständnis und unsere derzeitige Praxis einer fairen Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette sichtbar auf den Produktetiketten an die Kunden herantragen. Inzwischen gibt es schon internationales Interesse an diesem Vorgehen und es kann durchaus sein, dass die Initiative demnächst weitere Kreise zieht.